Zwischen dem devonischen Massenkalk des Ruhrtals und den lockeren Talfüllungen der Altstadt reagiert der Boden in Arnsberg seismisch völlig unterschiedlich. Wir haben beide Standorte verglichen: Während der Fels im Bereich der Schlossruine kurze, hochfrequente Impulse praktisch unverändert durchlässt, können die quartären Sedimente entlang der Ruhr selbst bei einem Fernbeben Eigenperioden um 0,4 bis 0,8 Sekunden entwickeln und die Bodenbewegung um den Faktor 2 bis 3 verstärken. Diese Diskrepanz macht eine pauschale Zuordnung zu einer Baugrundklasse nach DIN EN 1998-1/NA unmöglich – erst eine seismische Mikrozonierung liefert die kartierte Auflösung, die der Tragwerksplaner für die Erdbebenbemessung braucht. In enger Verzahnung mit der Baugrunderkundung mittels CPT entsteht ein konsistentes Untergrundmodell, das auch laterale Wechsel der Steifigkeit zuverlässig abbildet.
Die Bodenverstärkung in den quartären Talfüllungen von Arnsberg kann bei Fernbeben das Zwei- bis Dreifache der Felssignale erreichen – ein Faktor, den die Normklassifikation allein nicht abbildet.
